Die Vierschanzentournee – eine kleine Facebook Analyse

 

Teil 1 – Die Vierschanzentournee – eine kleine Facebook Analyse

 

Ein frohes neues Jahr 2013 wünsche ich allen meinen Lesern. Natürlich konnte ich als frischgebackene Selbständige auch während der Feiertage mein Social Media Hirn nicht wirklich ausschalten, und so habe ich mich vor Weihnachten gefragt, ob und wie die Top-Skispringer und Tourismusorte der Vierschanzentournee dieses große – und auch nicht ganz billige - Sportereignis für ihre Social Media Aktivitäten nützen.

Ich wollte vor allem herausfinden, ob Facebook als Kommunikationsplattform überhaupt verwendet wird, und wenn ja, ob es eher als Werbeplattform „missbraucht“ wird und man viele als Beitrag versteckte Werbeschaltungen findet, oder ob versucht wird, tatsächlich mit den Fans zu kommunizieren und Gespräche anzuregen.

Dazu habe ich mir Mitte Dezember die aktuellen Aktivitäten einiger Sportler und der vier Austragungsorte auf Facebook sowie die Blogs der Top-Skispringer angesehen. Homepages, Twitter & Co wurden von mir außen vor gelassen, da ich mich voll auf Facebook konzentrieren wollte.

Als Exil-Österreicherin habe ich nach der ersten Analyse dann den derzeit besten österreichischen Skispringer Gregor Schlierenzauer und die deutsche Hoffnung Severin Freund genauer unter die Lupe genommen.

Auch bei den Austragungsorten möchte ich mich auf eine österreichische und eine deutsche Tourismusdestination beschränken, damit wir den Blograhmen nicht allzu sehr sprengen. :-)

 

Beginnen wir also im ersten Teil meines Vierschanzentournee Blogbeitrages mit den Skispringern, bevor ich im zweiten Teil die Tourismusorte Innsbruck und Oberstdorf während der Vierschanzentournee miteinander vergleiche.

Vorweg kann schon so viel gesagt werden: die meisten Athleten sind in irgendeiner Art und Weise mal mehr, mal weniger in verschiedensten Netzwerken, Blogs oder anderen Plattformen aktiv. Wie Social Media von ihnen genutzt wird ist sehr unterschiedlich – nicht nur in den Intensität sondern auch bei der Art der Kommunikation und dem Umgang mit Fans.

 

Gregor Schlierenzauer (Österreich)

Gregor Schlierenzauer betreut seine Facebook-Seite, die am 18. Dezember 30146 Fans hatte, persönlich und schreibt selbst seine Beiträge. Er postet dabei jeden Tag, manchmal sogar zwei oder drei Mal, mit vielen selbst geschossenen Fotos aus seinem beruflichen und privaten Leben sowie  Links zu seiner Homepage. Videos finde ich weder zu diesem Zeitpunkt noch später keine auf seiner Seite.

Seine Posts erreichen wohl viele Menschen und werden je nach Beitragsart schon im Dezember zum Teil bis zu 3000 Mal geliked, häufig kommentiert und ab und zu auch geteilt. Man hat das Gefühl tatsächlich mehr über den Menschen Gregor Schlierenzauer zu erfahren und Teil seines Lebens zu sein. Auffällig ist auch, dass er die Posts in zwei Sprachen (deutsch und englisch) ausführt.

Neben dem Facebookauftritt schreibt er auf seiner Homepage www.gregorschlierenzauer.at auch einen eigenen Blog, auf den immer wieder mal hingewiesen und verlinkt wird. Zum Teil werden die Einträge wahrscheinlich von einem Pressemitarbeiter in dritter Person geschrieben, was aber beim Lesen sofort klar wird.

Außerdem findet man bei Facebook neben einigen von Gregor-Fans gestalteten Seiten auch einen Eintrag über den Sportler (Daten aus Wiki), der immerhin auch 33434 Personen gefällt.

 

Die Vierschanzentournee und die Fan-Aktivitäten auf Facebook

Ab Weihnachten verstärkt sich sein Engagement nicht erheblich, aber aufgrund der großen medialen Präsenz und seiner tollen Erfolge bei jedem Springen steigt die Zahl seiner Fans innerhalb von drei Wochen auf 50677 Fans an (Stand 9.1.). Das ist ein Plus von rund 20500 Fans. Wahnsinn oder? Seine Fans bleiben ihm natürlich auch während der Wettbewerbe treu und so erhält er bei jedem Post durchschnittlich 1700 bis 3000 Likes und zwischen 150 und 300 Kommentaren. Zudem werden die Posts meist 50 Mal geteilt.  Ab und zu streut er auch einen kleinen Werbe-Link zum Beispiel zu OMV ein, was im Vergleich natürlich nicht allzu gut ankommt, aber trotzdem mit ca. 430 Likes belohnt wird.

Das Posting-Highlight findet am Tag seines Tourneesieges am Montag, 7. Januar mit einem Tourneesieg-Geburtstags-Post statt. Dieser  Beitrag wurde, Stand 9. Januar, bisher von 12870 Personen mit einem „Gefällt mir“ versehen, er erhielt 1026 Kommentare und die Nachricht wurde 209 Mal geteilt! Das nenn ich mal einen effektiven Post!

Sein Blog wird zur Zeit der Vierschanzentournee von einem Mitarbeiter geschrieben. Durch die Interview-Form der Beiträge hat man aber trotzdem den Eindruck, dass die Antworten von ihm persönlich kommen und man dadurch gegenüber den Fernseh- und Radiointerviews wieder einen Tick mehr über ihn erfährt. Trotz Interview-Stress fand Gregor Schlierenzauer auch noch Zeit während der Fahrt zur nächsten Trainingseinheit einen eigenen Blogbeitrag am zu verfassen. Darin bedankt er sich bei seinen Fans, den Veranstaltern und erzählt, wie er sich während der Tournee gefühlt hat und wie es für ihn aus seiner Sicht nun weiter gehen wird.

Viel mehr kann man glaube ich für seine Fans nicht machen. Damit zeigt er uns, dass er nicht nur im Skispringen ein Ass ist, sondern auch weiß, wie man authentisch, glaubwürdig, emotional und vertrauensvoll mit seinen  Fans umgeht. Ich hätte mir ab und zu mal ein Video von ihm und den anderen Springern gewünscht, so wie es Thomas Morgenstern gerne mal veröffentlicht.

 

Severin Freund (Deutschland)

Ein ganz anderes Bild liefert sein deutscher Skisprung-Mitbewerber Severin Freund.


Er betreibt auch eine eigene Fanseite, auf der er ab und zu etwas postet. Mitte Dezember waren es durchschnittlich 2 bis 3 Posts pro Woche, meist mit einem Hinweis und Link zu seinem Blog unter www.severinfreund.de . Die Beiträge sind eher neutral und bieten keinen erkennbaren Mehrwert für den Leser. Sicherlich hängt damit auch die, im Vergleich zu Schlierenzauer und Morgenstern (78454 Fans) niedrigere Zahl von nur 2143 Fans zusammen. Entsprechend sind natürlich die Viralität und die Resonanz der Freund-Fans (durchschnittlich rund 50-150 Likes, 10-20 Kommentare).

Auch von Severin Freund habe ich einen Wikieintrag gefunden, der 1410 Personen gefällt.

In seinem Blog schreibt Severin Freund dann selbst über seine sportlichen Aktivitäten und Eindrücke. Im Vergleich zu Gregor Schlierenzauer etwas zurückhaltender und nicht so offen, dies kann aber denke ich auch am Charakter von Severin Freund liegen. Er versucht mit seinem Blogeinträgen auch Nähe zu seinen Fans zu erzeugen, schafft es aber aus meiner Sicht nicht ganz so gut.

In der Zeit der Vierschanzentournee schreibt Severin insgesamt nur drei Facebook-Posts. Nach dem 1. Januar 2013 konzentriert er sich wohl voll und ganz auf das Springen, da weder im Blog noch auch Facebook Einträge erfolgen. Erst am 8. Januar, nachdem die Tournee abgeschlossen war, meldet sich Severin Freund mit einem zweisprachigen Beitrag wieder. Kurz und knapp lässt er die für ihn nicht so gut verlaufene Vierschanzentournee hinter sich und berichtet darüber, wie er in den nächsten Tagen weiter trainieren möchte. Gute Infos, aber wenig echte Nähe. Trotzdem konnte er in dieser Zeit Fans sammeln, sodass er augenblicklich rund 3800 Facebook-Fans hat, was immerhin ein Plus von 77 % bedeutet. Also Kopf hoch Severin!

 

Wir haben hier also zwei ganz unterschiedliche Herangehensweisen von Profi-Skispringern zur Nutzung des sozialen Netzwerkes Facebook und einem eigenen Blog.

Gregor Schlierenzauer setzt aus meiner stark Sicht auf Kontinuität, Authentizität und Nähe zu seinen Fans. Sowohl im Blog als auch auf Facebook spricht er tatsächlich selbst, verwendet Fotos, die er selbst oder andere von ihm gerade gemacht haben und lässt seine Anhänger an seinem Sportlerleben teilhaben.

Severin Freund könnte mit seinen Social Media die Fanbindung noch viel weiter ausbauen. Er ist derzeit meiner Meinung nach nur in Facebook „drin“, nutzt aber die Potentiale, die dieses Netzwerk bietet nicht aus. Seine Blogbeiträge liefern einen kleinen Einblick in seine berufliche Tätigkeit ohne zu viel von ihm und seinem Privatleben zu verraten. Ein echter Mehrwert für die Fans fehlt da leider noch.

Ob die Art der Anwendung nun an den Charakteren der beiden liegt oder ob die Gewichtung und damit die Wichtigkeit dieser Medien für Gregor und Severin einfach ganz unterschiedlich sind, kann ich natürlich von meinem Bürotisch aus nicht beurteilen. Interessant fand ich es trotzdem zu sehen, wie unterschiedlich selbst Spitzensportler die zur Verfügung stehenden Tools verwenden, um mit ihren Fans zu kommunizieren.

 

Zur Autorin:

Barbara Reichart leitet die Social Media und Tourismus Agentur „webconaction“ mit Sitz in Heimenkirch im Allgäu. www.webconaction.de. Sie betreut Tourismusorganisationen, Tourist-Informationen und Klein- und Mittelständische Unternehmen in Fragen rund um Social Media, Webredaktion und Tourismusprojekte.