Erfahrungsbericht bei der Konzeption von Premiumwanderwegen

Im ersten Teil meine Blogbeitragsreihe über Premiumwanderwege habe ich berichtet, was Premiumwege sind, welche verschiedenen Wegetypen es gibt und was das Deutsche Wandersiegel ist. Heute möchte ich näher auf die erste Phase der Wegekonzeption eingehen und dabei von meinen persönlichen Erfahrungen während der Betreuung von drei verschiedenen Premiumwanderwege-Projekten erzählen.

 

Von der Wegeidee zum Premiumwanderweg

Meist steckt hinter dem Wunsch einen Premiumweg oder mehrere Premiumwanderwege zu eröffnen, ein Tourismusmanager (oder ein gesamtes Tourismus-Team), der das Thema “Wandern” in seiner Region oder seinem Tourismusort voranbringen möchte. Wirtschaftsförderung und die Wertschöpfung in der Tourismusregion zu steigern, ein tolles Angebot für Einheimische und Gastgeber zu schaffen und ein Produkt zu entwickeln, dass die Feriengäste begeistern wird, sind die Hauptmotive für die Entwicklung der Wandertouren.

Und genau für diesen Zweck wurde das Gütesiegel der Premiumwege auch geschaffen: um hochwertige, touristische Produkte für den Wandermarkt zu kreieren. Das strenge Zertifikat garaniert dabei einen hochen Qualitätsstandard, der zum Einen absichert, dass die Wege wirklich top sind und  zum Anderen natürlich auch, dass sich nicht jeder x-beliebige Wanderweg auch gleich als Premiumweg bezeichnen kann. Der Erfolg der verschiedenen Premiumwandermarken in den letzten 10 Jahren gibt dem Siegel recht. Ein Premiumbeispiel sind die “Premiumwanderwelten”, in der sich gleich 7 Premiumwanderregionen gemeinsam international vermarkten.

Was benötigt man also, wenn man selbst zu einer Premium-Wanderregion werden möchte?

Hegauer Kegelspiel Aussichten

1. Die Voraussetzungen für Premiumwanderweg(e)

 

Wie schon beschrieben müssen Premiumwege 200 verschiedene Kriterien erfüllen, um das Deutschen Wandersiegels erhalten zu können. Dies sind zum Beispiel:

  • Qualitätskriterium Wegeformat
  • Abwechslungsreichtum und Aussichten
  • Kultur und Zivilisation
  • Natur und Landschaftsbild
  • Wanderleitsystem mit Wegweisern, Markierungszeichen
  • Pflegezustand des Weges
  • und viele mehr

Die Kriterien werden dabei mal positiv mal negativ bewertet. Ein Beispiel beim Qualitätskriterium “Wegeformat”: naturnahe, schmale Pfade werden positiv bewertet, geteerte Wege negativ. Hinter jedem Kriterium widerrum verbergen sich weitere Unterteilungen. Bleiben wir beim Wegeformat werden hier Punkte wie der Belag, die Breite, der Wegsaum, Hinternisse am Wanderweg, die Wegenutzung durch andere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Durchgangsstraßen und die Verkehrssicherheit in die Bewertung mit aufgenommen.

Bodensee LandGänge Bermatinger Waldwiesen in den Weinreben Foto TG Gehrenberg-Bodensee

2. Erfahrene Planer und Berater für Planung von Premiumwanderwegen

 

Als Laie ist es daher sehr schwierig zu erkennen, ob das Wandernetz in der Region auch wirklich als Premiumregion geeignet ist. Daher ist es ratsam externe Berater wie zum Beispiel die “ProjektPartner Wandern” ins Boot zu holen, die mittels einer Machbarkeitsstudie feststellen, ob die Umsetzung von Premiumwanderwegen realistisch ist. Nicht alle Orte und Destinationen haben dabei positive Rückmeldungen bekommen, da oft die zahlreichen Verbundflächen aufgrund der Flurbereinigung Premiumwege unmöglich machen. Fachleute wie von ProjektPartner Wandern mit den Herren Rainer Brämer, Jochen Becker und Matthias Gruber begutachten die Wege auf der Karte und direkt vor Ort und können so eine ehrliche Einschätzung abgeben.

In den drei Projekten, die ich bisher betreut habe, wurden zudem auch erste Wegeideen mitgeliefert, die mögliche Wanderrouten aufzeigten. Dass von dieser ersten Wegeidee (die sogenannte Nullversion) bis zur Umsetzung noch ein langer Weg ist, beschreibe ich im nächsten Teil.

So geht es weiter:

  • Von der Nullversion zur umsetzbaren und genehmigten Wegeversion
  • Die Zusammenarbeit mit Vereinen, Wanderern und Verantwortlichen vor Ort
  • Förderanträge
  • Gespräche und Zustimmung Grundstückseigentümer
  • Beschilderungsplanung
  • Möblierungsplanung
  • Portaltafeln – Planung und Gestaltung
  • Umsetzung Beschilderung
  • Umsetzung Möblierung
  • Wegebau
  • Zertifizierung durch das Deutsche Wanderinstitut
  • Marketing

Eröffnungsfeier Hegauer Kegelspiel

Premiumwanderwege im Hegau eröffnet

Am Sonntag, 6. Juli 2014 wurden am Hohentwiel feierlich die ersten beiden Wege des “Hegauer Kegelspiel” eingeweiht. Neben der offiziellen Übergaben des Deutschen Wandersiegels und dem Durchschneiden des Wegebandes gab es ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm für die rund 250 Gäste. Traumhaft war die geführte Wanderung bei unglaublichen Ausblicken in den Hegau und an den Bodensee!

Ich freue mich sehr, Teil dieses Projektes sein und im Herbst 2014 und Frühjahr/Sommer 2015 die nächsten Premiumwanderwege im Hegau umsetzen zu dürfen.

Impressionen von der Eröffnungsfeier des “Hohentwieler” und “Hewensteig”

 

 

Weitere Artikel zum Thema Wandern:

* Premiumwanderwege am Bodensee und im Hegau

* Projektbetreuung Premiumwanderwege – oder was sind Premiumwege? Teil 1

* Allgäuer Alpenblog

* Wandertriologie Allgäu

 

Presseberichte:

Südkurier vom 7. Juli 2014: Neuer Wanderweg in Singen eröffnet

Projektbetreuung bei Premiumwanderwegen oder: was sind Premiumwege

Projektbetreuung bei den Premium-Rundwanderwegen im Hegau – von der Planung der Wanderwege bis zur Zertifizierung Teil 1

Seit Mai 2013 betreue ich als Projektleiterin die Planung und Umsetzung der ersten Premiumwanderwege im Hegau. Kommenden Sonntag ist es endlich soweit und die ersten beiden Premiumwege des “Hegauer Kegelspiel” werden eröffnet.

Wanderlogo Hegauer Kegelspiel

Höchste Zeit also einen Blick hinter die webconaction-Kulissen zu werfen und meine Erfahrungen mit Ihnen bei der Realisierung von Premiumwanderwegen zu teilen. Bevor ich jedoch damit beginne, zunächst im 1. Teil ein kurzes Update was Premiumwege überhaupt sind und was sie von den Millionen 0815-Wanderwegen unterscheidet.

Projektleitung: Barbara Reichart, webconaction

Was sind Premiumwanderwege?

Premiumwanderwege Wandertouren, die den Wanderer begeistern sollen und ihm ein unvergessliches Wandererlebnis bescheren sollen. Abwechslung, Erlebnisse am Weg, eine “unverlaufbare” Wanderbeschilderung und -markierung sowie tolle Aussichten und Naturnähe zeichnen diese Wanderwege aus. Premiumwanderwege müssen vom “Deutschen Wanderinstitut” nach einem strengen Kriterienkatalog zertifiziert werden. Man kann sich die Zertifizierung wie bei einer Hotel- und Ferienwohnungszertifizierung vorstellen. Und nur Wandertouren, die die Kriterien erfüllen und  mindestens 40 Punkte erreichen, können das begehrte “Deutsche Wandersiegel” erhalten.

Die Kombination aus Nähe zur Natur, sozusagen “back to the roots” auf schönen Pfaden, tollen Aussichten, gut gepflegten Wanderwegen, qualitativ hochwertigen Wandermöbeln und der perfekten Beschilderung haben Wanderwege, die mit dem Wandersiegel ausgezeichnet sind, vom Rest der Wanderwelt ab. Und da Premiumwanderwege meist als touristische Marken aufgebaut werden, ist eine nachhaltige Pflege der Wege (meistens) garantiert.

Schaukelvergnügen beim Wandern auf den Bodensee LandGängen

Man unterscheidet bei den Premiumwegen 3 Typen:

Streckenwanderwege: Diese Wanderwege sind mindestens 30 km, maximal ca. 100 km lang und können in mehreren Tagesetappen erwandert werden. Der “SeeGang” von Überlingen bis Konstanz, der aktuell auch unter meiner Projektleitung im Entstehen ist, ist solch ein Strecken-Premiumwanderweg.

Rundwanderwege: Diese Halbtages- bis Tageswanderwege haben einen gemeinsamen Start- und Zielpunkt und sind zwischen 6 km bis ca. 20 km lang. Die neuen Premiumwege im Hegau entsprechen diesem Wegetyp und sind 6 km und 7,5 km lang. Auch die anderen Touren, die in den nächsten Monaten nach und nach eröffnet werden, sind als Premium-Rundwanderwege konzipiert.

Beispiele von Premium-Rundwanderwege in Deutschland:

 

 

Genuss und zu sich selbst finden gehört beim Wandern ebenfalls dazu (WaldLiege)Picknickpause am Premiumwanderweg

 

Alpine Premiumwege: Das Begehen alpiner Premiumwege erfordert Kenntnisse der typischen alpinen Gefahren. Hier wird eine gute Kondition, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und die entsprechende Ausrüstung vorausgesetzt. Auch in unserer Region kann man z.B. am “Luftigen Grat” in Oberstaufen einen alpinen Premiumweg erkunden.

Winterwanderwege: Winterwanderwege werden als Premiumwege im Winter bei bzw. auf Schnee zertifiziert und sind auch nur im Winter markiert. In meinem ehemaligen Heimatort Reit im Winkl gibt es bereits zwei dieser einmaligen Winter-Premiumwanderwege!

Seit einigen Jahren werden auch nach und nach Premiuwege in der Schweiz, in Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Luxemburg und Italien zertifiziert.

 

Die Kriterien Deutsches Wandersiegel – 34 Kriterien für ein optimales Wandererlebnis

Wie schon erwähnt, wird jeder Wanderweg auf Herz und Nieren mittels eines umfangreichen Kriterienkatalogs geprüft. Die Kriterien ermöglichen es, die Stärken und Schwächen des Weges möglichst genau und objektiv zu erfassen. Er enthält Qualitätskriterien für eine erlebnisreiche Wanderinfrastruktur, welche die Wanderwege sowie ihr Umfeld beurteilen. Sie bewerten nicht nur die schönen, sondern vorbehaltlos auch die kritischen Seiten eines Weges. Das bedeutet, dass jeder Weg Pluspunkte aber auch Minuspunkte sammeln kann, die am Ende gegengerechnet werden. Mindestens 40 davon benötigt man für das Wandersiegel.

Der Kernbestandteil (auch casus knaxus) des “Deutschen Wandersiegels” sind 34 Kriterien, die für jeden Wegekilometer die Aufnahme von knapp 200 Merkmalen zum Wegeformat, zur Landschaft, ihren kulturellen Sehenswürdigkeiten und zivilisatorischen Barrieren, zum Wanderleitsystem und zu den Makrostrukturen des Umfeldes verlangen. Sie beschränken sich also nicht nur – wie im Falle von Radwegen oder Bergwanderwegen – auf rein technische Gegebenheiten, sondern versuchen möglichst viele Aspekte, positive wie negative, des Wanderererlebnisses in Zahlen zu fassen.

In meinen bisherigen Wanderprojekten hat sich gezeigt, dass vor allem das Erreichen der Kernkriterien der Knackpunkt ist. Vor allem der Bereich “Verbunddecke” mit maximal 15 % auf der gesamten Strecke und maximal 1,2 km am Stück bereitet  den Wegeplanern und Projektpartnern oft heftiges Kopfzerbrechen und stundenlanges Suchen in der Natur nach Alternativwegen.

Deutsches Wandersiegel für Premiumwanderwege

Soweit also der theoretische Hintergrund zum Thema Premiumwanderwege. Wie das Projekt im Hegau von der Planung bis zur Zertifizierung gelaufen ist, erfahren Sie im nächsten Teil.

  • Wegeplanung mit den ProjektPartnern Wandern
  • Zusammenarbeit mit Gemeinden, Städte, Tourismus, Forst, Schwarzwaldverein
  • Umsetzung der Wegeidee
  • Was man drum rum noch braucht